22. Juni 2026
ISTA Class of 2026: Feier für 52 Absolvent:innen
25 Länder vertreten. Fünf herausragende Doktorand:innen mit Preis ausgezeichnet
Das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) feierte bei der diesjährigen Abschlussfeier beeindruckende Leistungen: 48 neue Doktorand:innen und vier Master-Absolvent:innen erhielten ihre Abschlüsse. Die Wissenschafter:innen, die aus 25 Ländern stammen, schlossen ihr Studium in 38 verschiedenen ISTA-Forschungsgruppen ab, die sich über Naturwissenschaften, Mathematik und Computerwissenschaften erstrecken. Die Auszeichnungen für herausragende Doktorarbeiten gingen an fünf Absolvent:innen aus Österreich, Indien, Japan, der Slowakei und der Ukraine.

Die Absolvent:innen, die von sechs Kontinenten stammen, erhielten ihre Abschlüsse im Rahmen einer Abschlussfeier am 18. Juni im Moonstone Seminar Center auf dem Campus des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg.
Georg Schneider, Managing Director des ISTA, betonte in seinen Glückwünschen im Namen des ISTA-Präsidenten Martin Hetzer, dass die Ausbildung der nächsten Generation wissenschaftlicher Führungskräfte der Welt eine Kernaufgabe des Instituts sei. Er hob die entscheidende Bedeutung einer Promotion für die Karriere von Wissenschafter:innen hervor: „Der Tag der Promotion ist ein Tag der unbegrenzten Möglichkeiten – ein Tag, an dem sich euch die Welt öffnet. Herzlichen Glückwunsch!“
Mario de Bono, Dekan der ISTA Graduate School, betrat anschließend die Bühne, um auf den akademischen Werdegang der Absolvent:innen zurückzublicken. Er lobte ihre Ausdauer und würdigte ihr Engagement: „Ihr habt Jahre damit verbracht, die Grenzen der Wissenschaft zu erweitern. Ihr habt Durchhaltevermögen bewiesen, auch angesichts von Rückschlägen. Wissenschaft ist keine Ansammlung von Fakten. Sie ist der Prozess, auf viele nützliche Arten immer wieder falsch zu liegen. Euer Zweifel ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Ihr geht heute mit etwas, das viele niemals erreichen werden: einer echten Toleranz gegenüber Unsicherheit, einem geschulten Blick für handfeste Beweise und kritischem Denken“, sagte er.
Durchhaltevermögen und Sinn in der Forschung
Im Anschluss an die Ansprachen von Schneider und de Bono hielt Omar K. Farha seine Keynote zur Abschlussfeier. In seiner Rede unterstrich Farha die Bedeutung von Resilienz und Sinn. Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen – vom Aufwachsen in einem Dorf im Westjordanland bis hin zu seiner heutigen Tätigkeit als Professor für Chemie an der Northwestern University in den USA – betonte er, dass Anfänge nicht das Ende bestimmen: „Rückblickend haben mich meine größten Enttäuschungen zu unerwarteten Erfolgen geführt. Auch eure Reise wird nicht geradlinig verlaufen, es wird Umwege geben. Resilienz ist nicht laut, sie bedeutet, es erneut zu versuchen, sich erneut zu bewerben, erneut aufzutauchen. Wenn ihr euch an nichts anderes aus dieser Rede erinnert, dann behaltet dies im Gedächtnis: Scheitern ist eine Erkenntnis, keine Identität.“
Er plädierte dafür, intelligent zu scheitern und dabei ethisch und leidenschaftlich zu bleiben. „Denn Erfolg ohne Sinn fühlt sich leer an. Wenn eure Arbeit nur euch selbst dient, wird sie euch niemals zufriedenstellen. Überlegt euch, wem eure Arbeit nützen kann, und arbeitet darauf hin.“
Einen Einblick in die mögliche Zukunft des ISTA-Jahrgangs 2026 gab Michelle Gallei, eine ISTA-Absolventin des Jahrgangs 2018, die derzeit für das Biotech-Unternehmen Illumina arbeitet. „Das ISTA lehrt euch, Fragen zu stellen, wenn ihr die Antworten noch nicht habt. Es lehrt euch, über Fachgrenzen hinweg, über unterschiedliche Perspektiven hinweg und manchmal sogar über Unsicherheiten hinweg zu kommunizieren. Und es lehrt euch, Verbindungen zu knüpfen – nicht nur zwischen Ideen, sondern auch zwischen Menschen“, sagte sie. „Diese Freundschaften gehören zu den wertvollsten Dingen, die ihr vom ISTA mitnehmt. Denn sie enden nicht, wenn ihr das ISTA verlasst. Sie breiten sich über die ganze Welt aus. Heute arbeiten meine Freunde vom ISTA in der Wissenschaft, in der Industrie, in Start-ups – an Orten und in Rollen, die ich mir damals niemals hätte vorstellen können. Und wohin ich auch gehe, weiß ich, dass jemand aus dieser Gemeinschaft in der Nähe ist.“
Outstanding PhD Awards
Fünf Absolvent:innen machen sich mit einer besonderen Auszeichnung im Gepäck auf den Weg in die Welt: Mit dem ISTA Outstanding PhD Thesis Award werden, basierend auf Nominierungen durch ISTA-Professor:innen, herausragende Leistungen im Doktorat gewürdigt. Die diesjährigen Preisträger sind Zuzana Dunajova aus der Hannezo Gruppe, Sadashige Ishida aus der Wojtan Gruppe, Soumyadip Mondal aus der Freunberger Gruppe, Volodymyr Riabov aus der Erdős Gruppe und Hanna Schön aus der de Bono Gruppe.
Zellen, Menschenmengen und Selbstorganisation
Zuzana Dunajova aus Žilina in der Slowakei schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema „Geometry-driven self-organization of migrating cells and chiral filaments“. Ihre Forschung untersucht, wie sich Zellen und Proteine organisieren – ähnlich wie Vögel sich zu Schwärmen zusammenschließen oder Menschen sich durch Menschenmengen bewegen. Durch die Modellierung experimenteller Systeme mit Computersimulationen untersuchte sie, wie die Form der Zellen und ihre Umgebung deren Bewegung und Zusammenarbeit beeinflussen.

Ihr Betreuer, Edouard Hannezo, betont: „Zuzana nutzt physikalische Theorien, um zu erklären, wie sich komplexe lebende Systeme selbst organisieren – sie zeigt zum Beispiel, wie die Flexibilität chiraler Filamente die Strukturen des Zellteilungsapparats prägt und wie die Unordnung in der Umgebung eines Tumors allein schon dazu führen kann, dass Krebszellen von einem kollektiven Eindringen zu einer individuellen Ausbreitung übergehen. Sie hat das mit bemerkenswerter Eigenständigkeit verfolgt, und ich bin mir sicher, dass sie in ihrer wissenschaftlichen Zukunft Großes leisten wird.“
Für Dunajova hat die Auszeichnung eine ganz besondere Bedeutung. „Es ist sehr motivierend, dass meine Arbeit gewürdigt wird, und ich bin sehr dankbar für diese Anerkennung – ebenso gegenüber Edouard, meinen Kooperationspartner:innen und allen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben“, sagt sie.
Diesen Herbst wird sie eine Postdoc-Stelle am Vienna BioCenter antreten, um die Biophysik der Chromosomenorganisation und der DNA-Reparatur zu erforschen. Während ihrer Promotion wurde Dunajova außerdem Mutter von zwei Kindern. „Auf meinem Weg ging es oft darum, Forschung und Familienleben unter einen Hut zu bringen“, merkt sie an. „Ich bin meinem Mann und meiner Familie sehr dankbar für ihre Unterstützung, Geduld und Ermutigung.“
Geometrie in realen und imaginären Welten
Sadashige Ishida aus Tokyo, Japan, betitelte seine Dissertation „Symplectic-Prequantum Structures and Dynamics on the Codimension-2 Shape Space“. Ganz allgemein gesagt beschreibt er seine Arbeit als Erforschung der Geometrie und Dynamik der Natur: Formen, Bewegungen und Naturphänomene sowohl in realen als auch in imaginären Welten.

Sein Betreuer, Chris Wojtan, hebt Ishidas ungewöhnlichen Weg durch verschiedene Disziplinen hervor: „Sadashige ist einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Simulation von Seifenfilmen in der Computergrafik. Er hat einen einzigartigen Weg zum Doktorat eingeschlagen: Er ist ganz natürlich von der Computeranimation über die angewandte Mathematik zur reinen Mathematik gewechselt und verkörpert damit genau die Interdisziplinarität, die wir am ISTA fördern wollen.“
Wojtan hebt außerdem Ishidas starkes Engagement in der Lehre hervor, von Vorlesungen am ISTA über Physikunterricht für Kinder an einer örtlichen Volksschule in Klosterneuburg bis hin zu Vorträgen beim jährlichen Open Campus des ISTA.
Ishida ist dankbar für die Unterstützung, die er erhalten hat: „Über diese spezielle Auszeichnung freue ich mich sehr, denn sie ist das Ergebnis der Unterstützung vieler Menschen, die es mir ermöglicht haben, meinen Interessen nachzugehen. Heute ist eine großartige Gelegenheit, ihnen offiziell meinen Dank auszusprechen“, sagt er.
Mit Blick auf die Zukunft sagt er, er möchte generell der Forschung treu bleiben, bleibe aber gleichzeitig offen für mögliche Wege: „Es gibt viele imaginäre und reale Naturphänomene, die ich geometrisch beschreiben und sowohl mathematisch als auch nicht-mathematisch untersuchen möchte“, sagt er.
Redoxchemie für bessere Batterien
Der dritte Preisträger, Soumyadip Mondal aus Bolpur, Westbengalen, Indien, betitelte seine Dissertation „Oxygen and Sulfur Redox: Conversion Kinetics and Phase Equilibria“. Seine Doktorarbeit befasst sich mit der Elektrochemie von sauerstoff- und schwefelbasierten Systemen, die für die Energiespeicherung und die Redoxbiologie relevant sind. Unter anderem klärt sie eine jahrzehntelange wissenschaftliche Debatte über Singulett-Sauerstoff, eine hochreaktive Sauerstoffspezies, auf.

Sein Betreuer, Stefan Freunberger, betont die weitreichende Bedeutung von Mondals Arbeit: „Die Auswirkungen dieser Arbeit erstrecken sich über die Lebenswissenschaften, die Grundlagenchemie und die Energiespeicherung und gipfelten in einer Veröffentlichung als Erstautor in Nature – ein Beweis sowohl für die Originalität als auch für die breite wissenschaftliche Tragweite“, sagt Freunberger.
Er lobt zudem Mondals Rolle beim Aufbau der Chemie-Community am ISTA, einschließlich seiner Arbeit als Studierendenvertreter und als treibende Kraft hinter „chemISTAlk“, einer regelmäßigen Vortragsreihe für Studierende und Postdocs.
Für Mondal ist die Auszeichnung eng mit dem ISTA verbunden, dem Ort, an dem seine wissenschaftliche Karriere begann. „Am ISTA wurde meine gesamte Karriere aufgebaut, daher ist diese Auszeichnung ein riesiger Energieschub für meinen weiteren Weg“, sagt er. Derzeit ist er als Postdoc am Fritz-Haber-Institut in Berlin tätig und strebt eine Karriere als unabhängiger Wissenschafter an, der sich mit der physikalischen Chemie hinter energiebezogenen Herausforderungen befasst.
Er fügt hinzu: „Chemie und Materialien ist als Bereich am ISTA noch relativ neu, und ich gehöre zu den ersten Absolvent:innen. Diese Anerkennung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er den Standards des ISTA entspricht.“
Universelle Muster in der Zufälligkeit
Volodymyr Riabov aus Charkiw in der Ukraine schrieb seine Dissertation zum Thema „Universality in Random Matrices with Spatial Structure“. Er untersucht, wie Zufälligkeit in großen Systemen zu universellen Mustern führt – oder, wie er es ausdrückt, warum im mathematischen Sinne „alle glücklichen Familien einander gleichen“. Die Zufallsmatrizen-Theorie taucht in vielen Bereichen auf, von chaotischen Quantensystemen über hochdimensionale Statistik bis hin zur Informatik.

Sein Betreuer, László Erdős, hebt Riabovs Kreativität und Eigenständigkeit hervor: „Eine der genialsten Ideen in seiner Dissertation war die Entwicklung der Zickzack-Strategie für Wigner-artige Matrizen mit vektorwertigen Spektralparametern“, sagt er. „In mehreren langen Diskussionen habe ich versucht, den konventionelleren Ansatz mit skalarwertigen Objekten zu verteidigen, musste aber schließlich zugeben, dass Vova Recht hatte und sein vektorwertiger Fluss sehr elegant war.“
Auch Riabov sieht die Auszeichnung als Anerkennung für die Menschen in seinem Umfeld: „Es ist eine große Ehre, diesen Preis zu erhalten. Vor allem betrachte ich ihn als Beweis dafür, wie viel Glück ich hatte, László als Betreuer zu haben und mit vielen inspirierenden Kolleg:innen zusammenzuarbeiten.“
Als Nächstes wird er an die New York University wechseln, wo er seine Forschung im Bereich der Zufallsmatrixtheorie fortsetzen wird. Gleichzeitig betont er, wie wichtig das Leben jenseits der Forschung ist: „Ich bin meinen Freunden und meiner Familie zutiefst dankbar dafür, dass sie mich auf dem Boden der Tatsachen gehalten, mich durchgehend unterstützt und meine Jahre in Klosterneuburg und Wien so unglaublich schön gemacht haben.“
Die Kontroll-Linie der Zelle
Hanna Schön, die in Krems an der Donau in Niederösterreich geboren wurde und in der Umgebung der Stadt aufwuchs, wählte für ihre Doktorarbeit den Titel „The ER complex SUTU-7/MACO-1 regulates the fate of mRNAs encoding GPCRs“. Ausgehend von Proteinen mit unbekannter Funktion im Modellorganismus C. elegans (einem durchsichtigen Wurm) entdeckte sie einen Mechanismus, der mRNAs, die für G-Protein-gekoppelte Rezeptoren kodieren, während der Translation reguliert. Diese Rezeptoren sind für viele Aspekte des Lebens unverzichtbar und fungieren wie zelluläre „Walkie-Talkies“.

Ihr Betreuer, Mario de Bono, unterstreicht die Tragweite und die Beharrlichkeit hinter dieser Arbeit: „Durch eine akribische Reihe von Experimenten, die Genetik, Genomik, Biochemie, Molekularbiologie und Verhaltensanalyse kombinierten, und trotz zahlreicher Fehlstarts gelang es Hanna, auf molekularer und neuronaler Ebene zu erklären, warum der Verlust eines mysteriösen Proteins das Verhalten störte“, sagt er. „Ihre Arbeit ist bahnbrechend. Ich gehe davon aus, dass ihre Arbeiten noch lange zitiert werden, weil sie ein neues Problem aufwerfen.“
Er lobt auch ihr starkes Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit: „Hanna hat eine Leidenschaft für die Wissenschaft, die sie ihrem Publikum effektiv vermittelt.“
Schön fühlt sich geehrt, den Preis zu erhalten. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn jahrelange Anstrengungen und Beharrlichkeit anerkannt werden“, sagt sie. „Ich werde mit meiner Familie und meinen Kolleg:innen feiern, denn diese Leistung spiegelt nicht nur meine eigenen Anstrengungen wider, sondern auch die Unterstützung und Ermutigung, die ich während meiner gesamten Promotionszeit erhalten habe.“
Sie freut sich nun darauf, eine Postdoc-Stelle anzutreten und neue Fragen zur Proteinfaltung und Qualitätskontrolle anzugehen. „Meine Promotion hat mir viele spannende Wege eröffnet, und ich bin gespannt darauf, mich als unabhängige Forscherin weiterzuentwickeln und gleichzeitig zu bedeutenden wissenschaftlichen Entdeckungen beizutragen.“